LARP (Live-Rollenspiel)

Kettenhemd

Kettenhemd Ein Kettenhemd bietet dem Träger im Vergleich zu anderen Rüstungsarten viel Schutz bei sehr hoher Beweglichkeit.
Der angehende Recke oder Söldner möge sich dennoch über einige Dinge Gedanken machen:
ein Kettenhemd wiegt zwischen 4 kg und 14kg. Ersteres wäre ein kurzes, ärmelloses Kettenhemd, letzteres ein langes und langärmeliges Kettenhemd. Obwohl sich das Gewicht gleichmäßig auf die Schultern verteilt, behindert die zusätzliche Last doch merkbar beim schnellen oder ausgedehnten Laufen und bei langärmeligen Kettenhemden beim Heben der Arme.
Je nach Statur werden diese Einschränkungen aber gänzlich durch die hohe Schutzwirkung ausgeglichen.

Kettenhemd Die Herstellung eines Kettenhemdes ist mit einem beträchtlichen Zeitaufwand verbunden und teilweise werdet ihr euren Geldbeutel nach der Fertigstellung genauso leer vorfinden, wie er nach dem Kauf eines fertigen Hemdes gewesen wäre. Deshalb solltet ihr vorher ausführliche Kalkulationen durchführen und Vergleiche mit fertigen Kettenhemden anstellen.

Bei teureren Kettenhemden sind die Ringe einzeln vernietet. Dies führt dazu, dass es nicht mehr nur auf das Material ankommt, wie leicht eure Ringe gesprengt werden können. Aber auch diese Verarbeitung schlägt sich entweder im Aufwand oder im Preis nieder.

Kettenhemdringe und Werkzeug

Ihr könnt eure Ringe auch selber aus Draht herstellen. Ich habe mich aus Zeitgründen dafür entschieden fertige Ringe bei einem Internethändler zu erwerben.
Die Ringe sollten nicht rosten und sich nur sehr schwer aufbiegen lassen. Als Material eignet sich Niro-Federstahl gut, solltet ihr eher praktische als historische Ansprüche haben.
Ihr könnt die Ringe meist in Größen von 7mm bis 12mm Ringdurchmesser kaufen. Dabei solltet ihr bedenken, dass kleinere Ringe zwar einiges mehr an Arbeitszeit benötigen, das Gewicht der Rüstung aber mit der Ringgröße (Ringdurchmesser und Drahtdurchmesser) merklich abnimmt. Der Standart wären hier wohl 10mm Ringe.
Ihr benötigt je nach Art und Größe eures Kettenhemdes bzw. der Ringgröße zwischen 15 000 und 50 000 Ringe, durchschnittlich sind es etwa 30 000.

Kettenhemd Werkzeug Euer wichtigstes Werkzeug sind zwei Kombizangen. Hier solltet ihr nicht sparen und auf einen möglichst weichen Griff achten. Bei längerem Arbeiten am Kettengeflecht muss der Ungeübte aber dennoch mit Blasen oder Schwielen rechnen.
Daneben sind noch kurze Schnüre nützlich, die man durch Ringe fädeln kann, um sich auf längeren Abschnitten nicht zu verzählen oder anderweitig Markierungen zu setzen.
Ich verwende außerdem zwei Petrischalen, um die offenen von den geschlossenen Ringen zu trennen.

Vorbereitungen

Dies ist nämlich euer erster Arbeitsschritt. Ihr müsst die Hälfte eurer Ringe schließen. Ihr könnt dies auf einmal machen oder immer wieder, wenn ihr geschlossene Ringe benötigt. Letzteres dürfte eurer Motivation zu Gute kommen.
Ich nehme meistens eine Hand voll Ringe, schließe diese und verarbeite sie. Dann erst schließe ich die nächste Hand voll Ringe.

Kettenhemd-Ringe Kettenhemdringe offen

Der Anfang

Ihr beginnt das Kettengewebe, indem ihr einen Ring öffnet und vier geschlossene Ringe auffädelt. Dann schließt ihr den offenen Ring wieder.
Nun legt ihr die Ringe so zurecht, dass der mittlere Ring in eine Richtung zeigt und die anderen vier Ringe jeweils zu zweit auf einer Seite liegen und in die entgegengesetzte Richtung zeigen.

Kettenringe Kettenringe geordnet

Diesen Schritt wiederholt ihr noch einmal. Dann öffnet ihr einen weiteren Ring und verbindet damit die bisherigen zwei Teile. Dabei sollte der Ring in die gleich Richtung zeigen, wie die beiden anderen mittleren Ringe.
Ihr solltet nicht nur darauf achten, durch welche Ringe ihr diesen Ring fädeln müsst, sondern auch in welche Richtung der Ring gefädelt werden muss.
Am Anfang könnt ihr die Ringe dazu erstmal auf der Arbeitplatte liegen lassen, um den Verbindungsring so leichter richtig einfädeln zu können.

Kettenringe Anordnung Kettenringe knüpfen

Das Kettengewebe erweitern

Auf diese Weise macht ihr weiter bis ihr eine lange Kette habt, die in ihrer Länge der Breite eures zu fertigenden Werkstückes entsprechen sollte.
Auch die zweite Reihe ist zunächst eine solche Kette.
Die beiden Ketten werden nun untereinander gelegt und miteinander verbunden. Die Verbindungsringe liegen in die gleiche Richtung wie die Mittelringe der Ketten und werden jeweils durch zwei Ringe der oberen und der unteren Kette gefädelt.

Kettengeflecht offen Kettengeflecht

Ihr setzt nun Kette an Kette bis ihr ein geschlossenes fertiges Kettengewebe in euren Händen halten könnt.

Kettenhemd mit senkrechten Ringreihen
senkrechte Reihen
Kettenhemd mit waagrechten Ringreihen
waagrechte Reihen

Ausrichtung und Schnittmuster eines Kettenhemdes

Sicherlich bemerktet ihr schon, dass dieses Gewebe ein Ausrichtung hat. Das bedeutet, dass wenn ihr das Gewebe um 90 Grad dreht, die Reihen, die vorher senkrecht waren, nun waagrecht verlaufen.
Normalerweise werden mittelalterliche Kettenhemden mit senkrechten Reihen am Rumpf geknüpft. Sie liegen dadurch gut an.
Die obige Anleitung bezieht sich auf ein Kettenhemd mit senkrechten Reihen. Natürlich können auch waagrechte Reihen ihren Reiz haben, die meines Wissens nach, teilweise bei römischen Kettenhemden ihre Verwendung fanden. Hier solltet ihr das Kettehemd ausreichend groß machen, da es sich weniger in die Breite dehnen lässt.

Wenn ihr ein ganzes Kettenhemd herstellen wollt, benötigt ihr allerdings zuerst ein Schnittmuster. Ein weites T-Shirt eignet sich am Besten.
Da ich bisher noch keine Erfahrung mit Kettenhemden mit Ärmeln gesammelt habe, muss ich hier leider auf andere Webseiten verweisen.
Es gibt verschiedene Arten ein Kettenhemd zusammenzusetzen. Die einfachste Art wäre den vorderen und hinteren Teil eures T-Shirts als Kettengeflecht nachzubauen, diese an den Schultern zu verbinden (natürlich mit Aussparung des Halsausschnitts), Ärmelteile mit dem gleichen oder auch größerem Umfang wie eure T-Shirt-Ärmel zu fertigen und zu einer Röhre zu verbinden, seitlich am Rumpfteil anzubringen und die restliche seitliche Naht des Rumpfteils zu schließen.
Die historisch richtige Methode verwendet zusätzliche, dreieckige Teile an den Schultern und Trötringe (Ringe, die mit drei oder fünf anderen Ringen verbunden sind), um das Gewebe zu schmälern oder zu verbreitern.
Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass ihr den Ärmelansatz an den Schultern auf keine Fall zu eng machen solltet, sonst werdet ihr einige Probleme beim Anziehen haben. Dies gilt auch für ein ärmelloses Kettenhemd. Solltet ihr die Kettenhemdärmel dennoch zu eng gestrickt haben oder mehr Bewegungsfreiheit derr Arme wünschen, könntet ihr bei Kettenhemden mit Ärmeln diese unter den Achseln offen lassen.

Falls euer Kettenhemd länger als bis eine Hand breit über die Hüfte gehen soll, empfiehlt es sich ab der Hüfte Schlitze zu lassen, um genügend Beinfreiheit zu gewährleisten.
Diese Schlitze können entweder an den beiden Seiten sein oder auch mittig im vorderen und hinteren Kettenhemdstück, wobei bei Letzterem die Schutzwirkung größer ist.

Verbindung von Kettenhemd und Lederteilen

Kettenhemd-Leder-Verbindung Wollt ihr kein ganzes Kettenhemd, sondern nur Kettenteile, so lassen sich diese relativ einfach mit einem stärkerem Draht an Lederteilen anbringen.
Ihr müsst euch dafür etwa 10cm lange Drahtstücke abscheiden, Diese werden durch die vorgestochenen Löcher im Leder und das Kettengeflecht gezogen und auf der Innenseite mit einer Zange ca. 1,5cm hoch verzwirbelt.
Nachdem ihr den unverzwirbelten Draht abgezwickt habt, biegt ihr die Spitze der beiden verzwirbelten Drähte nach innen und steckt sie mit einer Zange zwischen die Kettenringe.
Damit sich der Draht nicht wieder löst und in eure Haut stechen kann, solltet ihr die Verbindungsstellen von Leder und Kettengewebe von innen mit Stoff verkleiden. An den Schultern und an anderen Stellen, wo das Kettengewebe auf euren Körper drückt, ist eine Polsterung von Vorteil.

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