LARP (Live-Rollenspiel)

Lederrüstung

Lederrüstung Torso Lederrüstung

Hier seht ihr meine Rüstung. Sie ist nicht gänzlich eine Lederrüstung, doch zumindest ein großer Teil wurde aus Leder gefertigt.
Es lassen sich auf die gleiche Weise natürlich auch komplette Lederrüstungen herstellen, die auch einem Manne zum Schutz und zur Zierde gereichen.
Es kommt alleinig auf eure Kreativität an.

Planung und Entwurf

Als erstes solltet ihr eine Grundvorstellung vom Aussehen eurer Rüstung entwickeln. Dazu eignet sich das Internet besonders gut.
Inspirationen findet ihr zum Beispiel auf Seiten verschiedener Filme, Seiten mit Fotos bereits stattgefundener LARPs, Seiten kommerzieller Händler oder auch Seiten mit Fantasybildern bekannter oder unbekannter Künstler.
Natürlich sollten diese Bilder nur Anregungen sein und keineswegs zur Nachahmung führen. Besonders bei Fantasybildern ist auch die Praktikabilität zu beachten (die Schultern stellen sich z.B. häufig als schwierig heraus) und so kann es sehr hilfreich sein historische Rüstungen in seine Überlegungen miteinzubeziehen.

Schnittmuster, Materialien und Werkzeug

Rüstungs Schablone Der nächste Schritt wäre ein Pappmodell eurer Rüstung zu fertigen. Denn so könnt ihr sehr einfach Korrekturen und Veränderungen durchführen und den Verschnitt eures teuren Leders so gering wie möglich halten.
Die Pappe sollte hierfür nicht zu hart (also in eine Richtung biegsam) sein. Es eignet sich zum Beispiel die Verpackung von Cornflakes und anderer derartiger Abfall.
Natürlich könnt ihr auch einfach eure Münzen bei einem Händler dafür eintauschen.
Die Nieten dieses Pappmodells sind Musterbeutelklammern und sollten schon jetzt an den später dafür vorgesehenen Stellen sitzen. Besonders ist dabei auf alle beweglichen Teile zu achten, denn nun wird erst ersichtlich, wie die Rüstung sitzt und inwiefern die eigene Beweglichkeit eingeschränkt wird.
Besser wäre es Verbindungsstellen zu nähen und auf Nieten weitestgehend zu verzichten. Handnähte mit dickem Leder sind aufwendig und anstregend, jedoch profitieren die meisten Lederrüstungen optisch sehr von genähten Verbindungen oder aufgenähten Applikationen.
Die Farbe und Art des Leders solltet ihr jetzt bestimmt haben. Meine Lederrüstung besteht aus Rüstleder von 3-4mm Dicke (Blankleder/Hals). Das Leder wurde nicht gehärtet.

Auch die Lederstreifen für die Schnallen habe ich bereits angebracht, damit ich sie beim Zuschneiden des Leders gleich mitausschneiden kann. Hierfür sollet ihr wissen in welcher Breite ihr eure Schnallen halten wollt.
Es ist recht sinnvoll sich jetzt schon nach geeigneten Bezugsquellen für die Schnallen, die Nieten und natürlich das Leder umzusehen.

Wenn ihr eure Papprüstung wieder auseinanderbaut und die Einzelteile auf dem Boden auslegt, wisst ihr in etwa wie viel Leder ihr benötigt.
Leder bekommt ihr bei einem örtlichen Gerber oder bei Internethändlern. Dünneres Leder findet ihr mit viel Glück auch auf Flohmärkten oder Sperrmüllsammlungen in Form von beispielsweise Sofabespannungen. Ich habe sowohl das Leder als auch die Nieten, die Schnallen und dazugehörigen Schlaufen, eine Nähaale und Garn zum Ledernähen bei einem Internethändler erworben.
Bei den Nieten wäre noch zu beachten, dass sie mindestens 2mm höher als die aufeinander zu nietenden Lederschichten sein sollten.
Hohlnieten mit flachem Kopf lassen sich problemlos mit einem Hammer auf einer sehr harten Unterlage einschlagen. Spitze Nieten hingegen werden fast ausschließlich professionell mit einer Drehspindel und ähnlichen teuren Maschinen verarbeitet und sind somit weniger empfehlenswert.

Daneben benötigt ihr noch einen Cutter (es muss kein spezielles Ledermesser sein) und eine Revolver-Lochzange. Beides ist im Baumarkt erhältlich.
Ab etwa 15 Nieten solltet ihr auf keinen Fall bei der Lochzange sparen und auf eine hohe Qualität und gute Griffe achten.Eure Hände werden es euch danken, glaubt mir. Ich verwende ein Lochzange, die zusätzlich noch eine Hebelübersetzung hat.

Zuschnitt

Leder schneiden Jetzt habt ihr je nach Art der Rüstung eigentlich den Hauptteil der Arbeit hinter euch gebracht.
Es gilt nun die Pappschablonen auf das Leder zu übertragen und mit dem Cutter auf einer Unterlage (zum Beispiel einem alten Holzbrett) auszuschneiden.
Auch die Löcher für die Schnallen und Nieten solltet ihr jetzt mit der Lochzange hineindrücken. Dabei wird erst die untere Lederschicht gelocht, dann die obere aufgelegt und nach dieser Kontrolle auch die obere Schicht gelocht. Durch die Dicke des Leders verschieben sich bei Rundungen häufig die Abstände der Löcher.
Während eurer Arbeit könnt ihr die Nieten in den fertigen Partien eurer Lederrüstung schon einmal mit der Hand zusammendrücken. Sie werden zumindest bei unbelasteten Teilen provisorisch halten.

Lederkanten bearbeiten

Die Ränder der Lederstücke sind bei Blankleder normaler Weise scharf und die oberste Schicht etwas überstandig. Für einen schöneren Anblick könnt ihr diesen Grad beseitigen, indem ihr entweder mit einer kleinen Schere im 45 Grad Winkel sauber entlang schneidet und/oder die Kante mit Schleifpapier abrundet. Erwartet ihr zukünftig mehrere Rüstungen herzustellen, lohnt es einen Kantenentschärfer bei Ledergeschäften oder beim Sattlerbedarf zu erwerben.
Je nachdem wie durchgefärbt euer Leder ist, sehen die Kanten heller aus als der Rest. Einen meisterlicheren Eindruck erzielt ihr, wenn ihr diese nachträglich einfärbt, entweder mit Lederfarbe oder mit spezieller Kantenfarbe.
Diese kann im gleichen Ton wie der des Leders sein oder in einem dunkleren.

Zusammenbau der Einzelteile

Lederbearbeitung Die Nieten werden nun mit einem Hammer zusammengeschlagen. Um sie nicht allzu sehr zu verkratzen legt ihr am besten ein kleines Lederstück zwischen Niete und Hammer.
Ohne Lederstück glänzt die Niete nicht mehr so sehr, wird aber runder.
Die Unterlage hingegen muss auf jeden Fall sehr hart sein. Am besten eignet sich hier Stein.

Habt ihr euch für genähte Partien entschieden, könnt ihr dafür eine Nähaale verwenden. Ist eurem Werkzeug keine Anleitung beigelegt, finden sich auch hier Anweisungen im Internet.
Bei dickem Leder, so wie ich es verwendet habe, ziehe ich es allerdings vor, die Löcher vorzustechen, am Besten mit einer Stechahle, und dann mit zwei großen Nadeln zu nähen. Sattlernadeln, die relativ stumpf sind, eigenen sich am Besten da sie den Faden selbst nicht durchstechen, zwei große normale Nähnadeln gehen aber durchaus auch.
Die Löcher werden auf beiden Lederschichten eingezeichnet, wobei ich durchschnittlich einen Abstand von 1 cm einhalte. Der Faden wird einfach mit einer Nadel durch das erste Loch durch beide Lederschichten gestochen. Eine Nadel befindet sich nun über, eine unter den Lederschichten. Beim zweiten Loch sticht die obere Nadel nach unten hindurch, die untere nach oben. Danach ziehe ich die Fäden fest an.
Auf die gleich Weise wird bei den folgenden Löchern fortgefahren. Es gibt natürlich auch andere Nähtechniken, die sich ebenfalls im Internet abrufen lassen.

Die Schnallen lassen sich sowohl annieten als auch nähen, wobei nieten eindeutig einfacher ist. Vergesst nicht die Schlaufen vorher auf jeden Fall auch aufzufädeln. Die Löcher für den Dorn der Schnalle könnt ihr einfach mit der Lochzange eindrücken.

Verzierungsmöglichkeiten

Armschiene Leder Nun sollte eure Lederrüstung eigentlich fertig sein. Es lassen sich noch Verziehrungen in Form von Ziernieten, Fellen, Brandmotiven und Punzierungen anbringen.

Brandmotive werden mit einem Lötkolben vorsichtig in das Leder eingebrannt. Dies ist auch noch möglich, wenn die Rüstung schon zusammengefügt ist.
Auch besteht die Möglichkeit Kerben in die oberste Lederschicht zu ritzen. Aus der Schule ist einigen hierfür vielleicht noch Linolschneidewerkzeug bekannt. Wie bei den Brandmotiven solltet ihr aber immer darauf achten keine Sollbruchstellen zu erzeugen.

Um Leder zu punzieren sollte es möglichst noch ungefärbt sein. Die Einzelteile müssen noch plan auf eine harte Unterlage z.B. eine Granitplatte aufgelegt werden können.
Das Leder wird mit einem Schwamm durchfeuchtet. Mit einem speziellen Punziereisen und Hammer kann ein Muster eingeschlagen werden. Je nach Anspruch kann aber auch schon ein einfacher Schraubenzieher hierfür genügen.
Möchte man mehrere Lederteile unterschiedlich verzieren oder tiefer in dieses Handwerk einsteigen, wird man seinen Grundstock an 4 - 6 Punziereisen immer wieder erweitern wollen. Alleinig für die Herstellung einer Lederrüstung genügt es aber möglicher Weise ein bis zwei Punziereisen für eine Borte o.ä. zu erwerben.
Schließlich muss das Leder selbst gefärbt werden, entweder mit spezieller Lederfarbe und -lasur oder mit Holzbeize aus dem Baumarkt. Letztere hat allerdings den Nachteil nicht tief genug in das Leder einzudringen und so bei dessen Alterung unschöne, helle Rillen zu Tage treten zu lassen.
Es ist gar nicht so schwer einfache Punzierarbeiten selber herzustellen. Viele Verkäufer beraten einen gerne bei der Anschaffung des Basiswerkzeugs.

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