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Tunika

Tunika Ob Edelmann oder Landstreicher, eine Tunika ist eines der nützlichsten und einfachsten Kleidungsstücke, die man auf seinen Reisen dabei haben kann.
Ausgehend von dem Grundschnitte bietet sich dennoch ausreichend Freiraum in der individuellen Gestaltung und standesgemäßen Ausarbeitung.
Und nebenbei könnt ihr die eine oder andere Münze sparen, wenn ihr euch nicht im nächsten Schneiderladen mit dem allzu weit verbreiteten Piratenhemd eindeckt.
Anzumerken sei noch, dass ich "Tunika" als Begriff hier nicht in einer historischen Bedeutung verwende, sondern als Synonym für ein Kleidungsstück, das in etwa einem nach unten verlängertem einfachem Hemd entspricht.

Tunika Tunika nähen Ich versuchte diese Anleitung so ausführlich zu halten, dass auch der ungeübte Schneider bald sein fertiges Hemd in Händen halten kann und nicht auf Hilfe, häufig aus dem Weibsvolk, zurückgreifen muss.

Die Stoffwahl

Wie bereits erwähnt, kann eine Tunika sehr unterschiedlich aussehen.
Schon bei der Stoffauswahl bieten sich mannigfaltige Möglichkeiten. Die günstigste dabei wäre einfache, einfarbige Baumwolle, aber auch Leinen oder sogar weiches Leder (nähen nicht alle Nähmaschine bzw. es wird eine besondere Nadel benötigt) lässt sich hierfür verwenden. Eine der schönsten Möglichkeiten auch für kalte Witterung ist Wolle. Außerdem knittert sie nicht. Jedoch muss man hier nach einem günstigen Stoffhändler suchen, damit der Stoff nicht teurer als eine gekaufte Tunika wird.
Gemusterte Stoffe sind ebenfalls sehr schön anzusehen und selbst einfache Jute kann verwendet werden.

Stoffkauf und Schnittmustererstellung

Bevor ihr den Stoff erwerbt, solltet ihr euch über die Länge eurer Tunika im Klaren sein. Diese messt ihr ab der Schultermitte am Hals, dort wo normalerweise die Naht ist, über die Brust bis zu der entsprechenden Länge an den Beinen.
Den Stoff bekommt ihr beim örtlichen Stoffhändler, aber auch meist etwas teurer in größeren Kaufhäusern. Ihr könnt aber auch alte, nicht mehr verwendete Kleidungsstücke, Bettlaken, Vorhänge und derartiges auftrennen und neu zusammennähen.
Bei einem Stoffhändler ist der Stoff meist doppelt in einer Breite von 75 cm aufgerollt, also insgesamt 150 cm breit. Für eine kurzärmlige Tunika von 100 cm Länge benötigt ihr ungefähr 110 cm Stoff.
Wenn ihr ganz genau wissen wollt, wie groß der Stoffverbrauch sein wird, könnt ihr auch zuerst das Schnittmuster herstellen und es auf die entsprechende Breite auslegen.

Tunika Zuschnitt Das Schnittmuster ist relativ wichtig, da es damit einfacher ist die Maße bzw. die Vorlage auf den Stoff zu übertragen und Korrekturen beim Abzeichnen vorzunehmen.
Am Schnellsten stellt ihr dieses her, wenn ihr ein T-Shirt verwendet, welches euch gut passt.
Im Gegensatz zu den meisten synthetischen Materialien dehnt sich Baumwolle. Leinen und Leder ist dagegen kaum dehnbar und ihr bekommt eventuell Probleme mit dem Anziehen eurer Tunika. Wählt daher ein T-Shirt, welches nicht zu eng sitzt.
Alternativ könnt ihr natürlich auch das Schnittmuster an eure Maße anpassen und die folgenden Absätze somit überspringen.

Schnittmuster Tunika
Schnittmuster nach modernem T-Shirt-Schnitt
Schnittmuster Cotta
Schnittmuster nach mittelalterlicher Cotta

A: Länge eurer Tunika
B: Abstand Hals - Schulternaht
C: Höhe Ärmelansatz an Torso

STOFFBRUCH: Da die Teile an dieser Linie symmetrisch sind, kann der Stoff bzw. das Schnittmuster hier gefaltet werden, um nach dem Auseinanderfalten den vollständigen Zuschnitt zu erhalten.

Im Folgenden beschreibe ich die Herstellung eines Schnittmusters mit Hilfe eines T-Shirts, da sich der Anfänger vielleicht noch nicht sicher über geeignete Maße, wie z.B. den richtigen Bauchumfang, ist. Wie aber zu sehen, ist das Schnittmuster einer mittelalterlichen Cotta / Tunika nicht wesentlich anders. Der Unterschied besteht lediglich im Bemühen möglichst nur rechteckige Zuschnitte durch Verwendung von dreieckigen Einsätzen an Achseln und im Beinbereich zu machen, um den Stoffverbrauch zu reduzieren.

Bei Verwendung eines T-Shirts legt ihr dieses mit der Vorderseite nach oben auf zusammengeklebte Zeitungsseiten.

Schnittmuster symmetrisch herstellen Damit das Ganze symmetrisch wird, faltet ihr die Zeitungsseiten zuvor auf die Hälfte und platziert das T-Shirt ebenfalls genau zur Hälfte auf der Zeitung. Die geschlossene Seite der Zeitung sollte logischer Weise innen liegen.
Nun zeichnet ihr ihr die Umrisse ab. Da ihr erstmal nur die Vorlage des Hinterteils eurer Tunika macht, überträgt ihr den hinteren, höheren Teil des Halsausschnittes auf das Papier.
Die Ärmel lasst ihr dabei weg und zeichnet stattdessen an der Naht entlang, mit der die Ärmel am Rumpf festgenäht wurden.
Dies geht am einfachsten, wenn ihr den T-Shirt-Ärmel nach Innen faltet oder etwas anhebt und darunter versucht an der Naht entlang zu zeichnen.

Tunika Ärmel Letztendlich sollte der Ärmelansatz unten so aussehen wie auf dem Bild, also mit einer leichten Kurve nach Innen.
Nach Unten müsst ihr das Schnittmuster jetzt über die T-Shirt-Länge hinaus bis auf eure Wunschlänge erweitern.
Dabei kann der untere Tunikarand gerade sein oder ihr zeichnet hier Zacken oder andere Abschlüsse ein, ganz nach eurem Belieben.
Wollt ihr keine Schlitze auf beiden Seiten haben, empfiehlt es sich die Tunika nach unten hin etwas weiter werden zu lassen.
Sollen rechts und links Schlitze sein, so sollte man die Tunika ab der Stelle, an der die Schlitze beginnen, eher geradlinig bis leicht verjüngend nach unten laufen lassen.

Tunika Ärmel Schnittmuster Ärmel Tunika

Die Ärmel werden ebenfalls auf eine gefaltete Zeitung aufgezeichnet. Ihr braucht nur einen Ärmel aufzumalen und auszuschneiden.
Da die Naht an den Ärmeln unten ist, sollte der Faltrand oben sein, so dass man, wenn man das ausgeschnittene Schnittmuster aufklappt eine Vorlage hat, die man nur noch unten zusammennähen muss, um die Ärmel-Röhre zu erhalten.
Wie man auf dem Bild sehen kann, ist die Seite, mit der der Ärmel am Rumpf festgenäht wird, im Gegensatz zu der entsprechenden Stelle am Rumpf gerade. Dies muss aber so sein, damit die Tunika später gut sitzt.

Stoffzuschnitt

Schnittmuster Tunika auflegen und ausschneiden Habt ihr beide Vorlagen aus der Zeitung ausgeschnitten, werden diese jeweils auf euren ausgebreiteten Stoff aufgelegt und mit Stecknadeln festgesteckt.
Neue Baumwolle geht normalerweise etwas ein beim Waschen, so dass es sich empfiehlt dies vorher zu tun. Meiner Erfahrung nach muss das aber nicht wirklich sein.
Der Stoff sollte mit der linken Seite nach oben liegen, also die Seite, die später innen sein wird.
Ihr übertragt nun die Umrisse der Vorlage mit Schneiderkreide oder einem weißen bzw. grauen Bleistift, je nach Stofffarbe, auf den Stoff. Mit einer Nahtzugabe von 1 - 1,5 cm wird dieser dann ausgeschnitten. Wer sich nicht ganz sicher ist, kann sich die Nahtzugabe auch aufzeichnen. Dies ist aber nicht notwendig.
Beim Auflegen des Schnittmusters sollte diese Nahtzugabe natürlich immer berücksichtigt werden.
Den vorderen Teil eurer Tunika erhaltet ihr nun, indem ihr auf das Schnittmuster für den hinteren Teil den tieferen, vorderen Halsausschnitt von eurem T-Shirt überträgt.
Den zweiten Ärmel zeichnet ihr auf den Stoff, wenn ihr die Vorlage für den ersten auf die andere Zeitungsseite wendet und nochmals auf den Stoff auflegt.

Aneinanderheften des Stoffes mit Stecknadeln

Jetzt könnt ihr mit dem Feststecken eures Stoffes beginnen. Ihr beginnt mit den Seitenrändern des Torsos. Das Vorder- und Rückenteil werden hierfür mit der linken Seite nach Außen aufeinander gelegt und entlang der vorgezeichneten Linien mit Stecknadeln fixiert.
Wichtig ist hier sich auch immer wieder anzusehen, ob die Stecknadeln nicht nur auf der Oberseite auf der Linie stecken, sondern auch auf der Unterseite. Und natürlich sollten die Löcher für Kopf und Ärmel frei bleiben :)

Tunika mit der Nähmaschine nähen Danach solltet ihr unbedingt eine Anprobe machen, auch wenn diese vielleicht etwas stachelig werden kann.
Meist ist der Halsausschnitt zu klein oder ihr wollt euere Tunika vielleicht noch etwas enger machen.

Zusammennähen der gehefteten Einzelteile

Sind alle Änderungen vollzogen und ihr mit der Passform eurer Tunika zufrieden, könnt ihr die Teile entlang der vorgesteckten Linien zusammen nähen.
Anfang und Ende jeder Naht werden durch kurzes Zurücksetzen bzw. Zurücknähen und wieder Vorwärtsnähen gegen Aufreißen geschützt.

Die Ärmel dreht ihr ebenfalls auf die linke Seite, steckt die Naht fest und näht sie an der entsprechenden Seite zu einer Röhre zusammen.
Jetzt stülpt ihr die Ärmel wieder um.
Das Feststecken ist etwas schwieriger: Ihr müsst die Ärmel in den entsprechenden Ausschnitt eures Torsoteiles so hinein schieben, dass die Naht, die mit dem Torso verbunden werden soll, nach Außen zeigt und eben genau auf der entsprechenden Naht des Torsos aufliegt. Des Weiteren muss die Naht, mit der die Ärmel-Röhre geschlossen wurde, genau in einer Linie mit dem Beginn der Seitennah des Torsos liegen. Dies ist wichtig, damit die Ärmelnaht später auch genau in der Mitte unten ist.
Und genau an diesem Punkt beginnt ihr auch mit dem Feststecken.
Beim Feststecken zeigt sich nun wie genau ihr gearbeitet habe, denn evtl. ist nun entweder der Ärmelkreis oder der Ausschnitt am Hauptteil zu eng und ihr müsst ein wenig tricksen, indem ihr den Stoff des entsprechenden Teils ein wenig zieht oder "staucht".
Bei der Tunika auf dem einen Bild habe ich leider einen Fehler gemacht, denn eigentlich wird, wenn zwei Nähte, wie an der Stelle unter den Achseln, aufeinander treffen, der Überstand (sprich die Nahtzugabe) auseinandergeklappt und so vernäht und nicht, wie ich es gemach habe, beide Überstände auf eine Seite genäht. Allerdings wird man später davon ohnehin nichts mehr sehen, da diese Stellen ja Innen liegen.

Einlegen des Ärmels der Tunika Feststecken des Ärmels der Tunika

Säubern der Stoffkanten

Umgeschlagene Kanten gegen Ausfransen der Tunika Nach nochmaliger Anprobe geht es nun darum die Kanten vor Ausfransen zu schützen.
Habt ihr eine Nähmaschine mit Zick-Zack-Naht könnt ihr das auch auf den bereits fertigen Nähten in der Innenseite tun, wo die Nahtzugaben ja noch herausstehen. Dafür näht ihr einfach am Rand entlang, so dass jeweils immer ein Stich fast außerhalb des Stoffes liegt.
Wichtiger sind aber die Ränder am Hals, den Ärmeln und der untere Abschluss der Tunika. An den Ärmeln und Unten reicht es den Stoff einfach etwa 1 cm breit einzuschlagen, festzustecken und umzunähen. Am Hals und wenn ihr einen richtig ordentlichen Abschluss haben wollt, solltet ihr den Stoff zweimal umschlagen, feststecken und nähen.

Stoff einmal Umschlagen für Saum
einmal ungeschlagen
Stoff zweimal Umschlagen für Saum
zweimal umgeschlagen

Schwierig sind Stellen wie beispielsweise das Ende des seitlichen Schlitzes. Hier werden einfach die Nahtzugaben an den bereits vernähten Stellen auseinandergeklappt, so dass der eingeschlagene Rand praktisch in diese übergeht.
Man näht mit der Nähmaschine am umgeschlagenen Rand bis zu der Stelle, an der der Schlitz anfängt, knickt im rechten Winkel, näht über die auseinander geschlagenen Nahtzugaben und kann nach einem weiteren, rechtwinkligen Knick den Stoff auf der anderen Seite säumen.
Bei solchen oder ähnlichen schwierigeren Stellen empfehle ich euch einen Blick in die Kleidertruhe zu werfen, dort nach entsprechenden Beispielen zu suchen und diese zu studieren.

Halsausschnitt der Tunika Tunika-Halsausschnitt zum Nähen festgesteckt

Aufwerten der Gewandung

Letztendlich gibt es nun noch unzählige Möglichkeiten der Verzierung: aufgenähte Borten, Knöpfe, Ösen, Nieten, Flicken, aufgenähte Symbole oder Wappen, Fransen...
Ihr könnt die Tunika auch mit Stofffarben bemalen, die im Bastelladen oder im Baumarkt erhältlich sind. Ist der Stoff dunkler als die Farbe müsst ihr gut deckende Flüssigfarbe nehmen, ansonsten gibt es auch Stoffmalstifte.
Man kann die Tunika auch von Anfang an aus verschiedenen Stoffen zusammen nähen für beispielsweise einen Wappenrock. Dies geschieht am Besten schon bevor man Vorder- und Rückseite aufeinander näht und erfordert etwas mehr Näherfahrung.
Grundsätzlich wirkt es besser farbigen Stoff aufzunähen, als den Stoff mit Farbe zu bemalen.

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